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Bitcoin: Ein scheues Gnu

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Bitcoin (Überblick bei Netzwelt.de, Überblick bei netzpolitik.org) ist eine interessante Idee – und eben bereits mehr als das, nämlich eine laufende Mini-Ökonomie mit einem geschätzten Volumen von bisher bereits über 120 Millionen USD.

Geld ist ein scheues Reh, sagt man. Im Falle der experimentellen (?) Währung Bitcoin ist dies eines der Hindernisse des Moments – mehr Leute würden sich an das System trauen, wenn sie Transaktionen einfach abwickeln könnten. Momentan dauern diese mehrere Tage entweder von liquiden Euro zu Bitcoins im Wallet oder umgekehrt. Schuld ist ein Mangel an funktionierenden „Wechselstuben“.

Momentan steigen Bitcoins rapide im Wert gegenüber „üblichen“ Währungen wie USD und Euro – die hat aber offenbar nicht nur mit den Vorzügen des Systems oder dem Medienhype zu tun (selbst der WDR ist dabei), sondern auch damit, dass es recht schwierig ist, Bitcoins zu kaufen. Angebot und Nachfrage und so.

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Was (uns in Europa) fehlt, sind mehrere Instanzen (dezentral ist besser!), die Überweisungen über das IBAN/BIC-Protokoll (oder eine Standardüberweisung innerhalb Deutschlands) annehmen, und im Gegenzug Bitcoins rausrücken. Und umgekehrt.

Einer der Hauptvorteile von Bitcoin ist die nahezu unbeschränkte Portabilität – zumindest innerhalb des Systems. Solange Bitcoin aber eine Nischenwährung ist und bleibt, und das wird sie im Vergleich zu tauschbareren Dingen trotz allen Erfolgs eine ganze Weile bleiben, muss es den Marktteilnehmern möglich sein, stressfrei Geld in das System zu pumpen oder abzuziehen. Das klingt zunächst, als könnte dies die Stabilität gefährden, ist aber wohl die Grundvorraussetzung für das mittel- und langfristige Vertrauen der meisten Nutzer.

Wenn dies alles nicht passieren sollte, bleibt Bitcoin übrigens immer noch eine coole Nischenwährung – mit der man Coder bezahlen kann, die damit wiederum Hosting oder andere Dienstleistungen bezahlen können. Undsoweiter. Aber eben im Großen und Ganzen nur als Verrechnungswährung der Netizens.

Die Hindernisse sind klar: Banken und Finanzdienstleister haben kein Interesse daran, ein System zu päppeln, das sie entweder arbeitslos oder zumindest mit niedrigeren Margen hinterlassen könnte. Zudem muss sich jeder, der ein solches ‚Währung zu Bitcoin und zurück‘-Geldhaus eröffnet oder betreibt, nicht unberechtigte Sorgen machen, Probleme mit der jeweiligen Landesregierung zu bekommen bzw. seine Assets in echten Währungen gefrostet zu bekommen.

Wer könnte den Job übernehmen? Island macht seit dem letzten Jahr Werbung für sich mit dem Argument, dort währe ein sicherer Hafen für Ideen, die anderswo eingeschränkt werden. Also: Eine Stiftung in Island.
Momentan jedenfalls läuft ein sympathischer, aber eben auch nicht besonders sicherer Handel mit digitalen Gütern, Paysafecards und ähnlichem in einigen Foren. Mutige können sich für BTC’s Gold kaufen. Ob sie die gekauften Dinge je sehen werden, ist zumindest nicht sicher – es gibt keine Bitcoin-Polizei und kein Bitcoin-Gericht, das geprellten helfen kann. Abhilfe schafft hier vorerst ClearCoin, ein Treuhandkontoservice, der pro Transaktion 0.5% kostet.

Bei Quora schreibt übrigens einer, der sich mit Geld auskennt, Adam Cohen, warum das seiner Ansicht nach alles Quatsch ist (engl). Selbst Jason Calacanis motzt – wahrscheinlich, weil er zu spät eingestiegen ist…

Was auch immer in den nächsten Monaten passiert, eins ist sicher: Über Bitcoin werden wir noch viel hören.

Autor: Dirk Stascheit

Ich bin Journalist, bastle mit Wordpress und ebook-Formaten und studierte Journalistik und Psychologie an der Universität Leipzig. Neben dem strukturierten Informieren anderer Menschen mag ich das Fliegenfischen und wandere gern, wenn es sich anbietet am liebsten mit einigem Gepäck wochenlang in Dalarna.

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